09:05 Uhr | 18.05.2012 Startseite | Kontakt | Impressum | Inhaltsverzeichnis    
Presse-Ticker

Presse
19.02.2012, 20:13 Uhr | Übersicht | Drucken
Besuch in "Europas Hauptstadt" Brüssel
Ein Bericht von Dusan Backonja


Für den engagierten Jungpolitiker oder einfach nur politisch Interessierten kann es derzeit wohl kaum einen interessanteren Ort geben: Brüssel, de facto Hauptstadt Europas, Sitz der Europäischen Kommission und des Europäischen Parlaments. Seit Monaten wird hier um die Zukunft des Euro und der Union an sich gerungen. Täglich füllen Nachrichten von dort die Titelblätter der Zeitungen.  


Auf Einladung von Thomas Mann, unserem hessischen Abgeordneten im Europaparlament, konnte die Junge Union das politische Europa hautnah erleben. Trotz Prüfungsphase an Universitäten und Schulen fand sich am Morgen des 1. Februar bei eisigen Temperaturen ein harter Kern von JU-lern aus den Verbänden Frankfurt Ost, Süd und Nord, sowie Offenbach zusammen. Gemeinsam mit der CDU Fulda ging es dann die nächsten 6 Stunden gemächlich Richtung Nordwesten. Einmal über die Grenze, konnte sich der aufmerksame Beobachter an der belgischen Vielsprachigkeit erfreuen, die sich schon auf Autobahnschildern ankündigt. Kurios wurde es an der ersten Tankstelle: Belgisches Bier, abgefüllt in Sektflaschen. Da war dann schon der erste Platz in Tasche oder Koffer für die Rückfahrt belegt.


In Brüssel angekommen, musste unser Busfahrer erst einmal einige fast schon akrobatischen Manöver mit dem großen Reisebus erproben, um uns sicher durch die Innenstadt zum Hotel am Südbahnhof zu bringen. Koffer in die Zimmer gestellt, kurz frisch gemacht, ging es sofort weiter: Termin mit Thomas Mann im Europäischen Parlament. Vorbei an prächtigen Glasfronten und lauten, französischsprachigen Schülergruppen erhielten wir zunächst eine allgemeine Einführung zur Struktur und Arbeit des Parlaments bis wir schließlich von Herrn Mann empfangen wurden. Nach einer Beschreibung seiner Arbeit in diversen Ausschüssen, etwa im Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten und seinen zahlreichen Außenterminen, die ihn oft ins heimische Hessen führen, ging es schließlich an’s Eingemachte: die Tagespolitik. Die meisten Fragen beziehen sich natürlich auf die Euro-Krise und Europas Sorgenkind Griechenland. Ob die Griechen in der Euro-Zone bleiben werden, wollte ein Teilnehmer der Fahrt wissen. „ Ich weiß es wirklich nicht“, sagte Mann, „ es kommt zunächst einmal darauf an, wie die Reformen in Griechenland umgesetzt werden.“ Zudem lobte Mann das Krisenmanagment unsere Kanzlerin und Parteivorsitzenden: „ Mit der Finanztransaktionssteuer ist uns etwas Großes gelungen.“

Danach ging es in den Plenarsaal, der, wie der Bundestag, öffentlich tagt. Wem es gerade nicht vergönnt ist, dort zu sein, kann die Debatten auch live im Internet mit verfolgen und vergangene im Archiv abrufen.

Schon nach wenigen Momenten wird deutlich, dass das Europäische Parlament sich von allen anderen grundlegend unterscheidet: Hier sitzen Vertreter von 27 Staaten und die Debatten finden in 22 verschiedenen Sprachen statt. Als wir auf die Besuchertribüne durften, konzentrierten die Parlamentarier sich auf internationale Politik, vor allem den Umgang mit Irans Vorpreschen in der Atomfrage und den Ansätzen demokratischen Wandels in der Russischen Föderation. Damit auch jeder Parlamentarier den anderen versteht, sitzen zahlreiche Dolmetscher in Glaskästen über dem Plenum und übersetzen Wort für Wort. Davon überzeugen kann sich der Besucher, indem er sich einen Kopfhörer schnappt und einfach mal wahllos zwischen den Kanälen zappt: Wer hört denn schließlich jeden Tag Bulgarisch, Niederländisch oder Estnisch zur selben Zeit am selben Ort?

Nach einem obligatorischen Gruppenfoto mit unserem Abgeordneten lud dieser uns noch in ein schickes Restaurant direkt am zentralen Grande Place, oder auf Niederländisch Groteplac, ein. Neben leckerem Steak gab es auch eine, wie Mann mit einem Augenzwinkern meinte, „besondere Überraschung“ – die sich dann als 3 Bier pro Nase entpuppten. Besonders daran war, dass es von Runde zu Runde immer dunkler und die Gespräche zu Tisch heiterer wurden. Am nächsten Morgen wollten wir nun endlich auch die Stadt selbst erkunden – zunächst klassisch im Touristenbus mit Reiseführer. Eine schlichtweg goldige ältere Dame brachte uns mit einer Mischung aus niederländischem und französischem Akzent die Geschichte der belgischen Hauptstadt und ihrer Besonderheiten näher, so auch, wo zum Beispiel der König und die Königin leben und dass die belgischen Untertanen sich jedes Jahr auf den Frühling freuen, wenn ihnen die Gewächshäuser der Königsfamilie für zwei Wochen offen stehen. Bei zweistelligen Minusgraden war an ein häufigeres Aussteigen kaum zu denken – abgesehen von einer kurzen Fotopause am Atomium, die wohl zu jeder Reise nach Brüssel gehört.

Makel der Reise war, dass wegen etwaiger Verspätungen zum Schluss bis zur Abreise nach Frankfurt nur eine Stunde Zeit blieb, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Einmal am Grande Place angekommen, deckten sich die meisten also zügig mit belgischen Pralinen ein und fingen die wunderschöne Architektur mit der Kamera ein. Nicht wenige Verkäufer in der Brüsseler Innenstadt sprachen passabel bis fließend Deutsch und immer wieder traf man auch auf Schülergruppen aus der Heimat – das ist eben Europa.



Abgesehen vom Zeitmangel am Ende der Reise war es aber eine spannende und lehrreiche Fahrt mit einigen amüsanten Momenten. Zum Schluss sei nur dieser erwähnt: Als die Gruppe gerade das Europäische Parlament verließ, fand eine Frankfurter JU-lerin nur wenige Meter neben dem Eingang 10 amerikanische Cent auf dem Gehsteig: hoffentlich kein schlechtes Omen für den Euro!
Impressionen
Termine
 Seite drucken |  Seite senden |  Kontakt |  Nach oben

0.43 sec. | 6598 Views